Brutzeit 2021 — dramatischer Schwund der Grauammer im schaffhauser Klettgau

Die Grauammer zählt schweizweit zu den seltensten Brutvögeln. Während der nationalen Brutvogelkartierung 2013-2016 wurde der Bestand auf 80-110 Brutpaare beziffert, während er bei der nationalen Kartierung vor 20 Jahren bei 400-600 Paaren lag (KNAUS et al. 2018). Das Vorkommen beschränkt sich auf drei Hauptorte: in der Champagne genevoise, dem Berner Seeland und dem Klettgau SH. Nicht nur in der Schweiz sind die Bestände in den letzten Jahren dramatisch zurückgegangen. Auch in Baden Württember und in Österreich erleidet die Grauammer einen Bestandsverlust von rund 80%!

Noch Ende der 1970er Jahre wurde der Bestand der Grauammer im internationalen Bodenseegebiet mit 200-300 Revieren angegeben (SCHUSTER et al. 1983), mit einer Abnahme bis in die 1990er Jahre auf nur noch 100 Reviere (HEINE et al. 1999). Neben dem Hegau kam die Art damals vor allem noch im Vorarlberger Rheindelta vor. Der Brutbestand lag in diesem einmaligen Feuchtgebiet in den 1960er Jahren noch bei 50-70 Revieren. Inzwischen liegen vom Rheindelta wie auch von anderen Gebieten am Bodensee kaum noch Brutzeitnachweise vor.

Der Rückgang der Grauammer im Klettgau hat sich in den letzten 2-3 Jahren abgezeichnet. So wurden in den Probeflächen «Widen» und «Plomberg» der Schweizerischen Vogelwarte und des Planungs- und Naturschutzamts Schaffhausen in den Jahren 2016 und 2017 noch 12 bzw. 5 Reviere festgestellt, im «Langfeld» bereits keine mehr. Bis zum Jahr 2020 gab es in den «Widen» nur noch max. 1-3 Reviere, bei unveränderter Habitatslage! (JENNY 2018).

In der Brutzeit 2021 liegen im Kanton Schaffhausen bislang folgende Grauammer-Nachweise vor: 20.04. 5 Ind. (S. Häring), 21.04. 1-2 Ind. (S. Häring, S. Trösch), 23.04. 1 Ind. Buchthalen-Schaffhausen (U. Vetterli), 04.05. 1 Ind. Widen Neunkirch (S. Trösch) und 29.05. 1 Ind. Wilchingerberg (D. und U. Winzeler, A. Anta Brink). Auffallend ist, dass keine singenden Vögel beobachtet wurden. Weshalb es im schaffhauser Klettgau in diesem Jahr offenbar nur um herumstreifende und nicht revieranzeigende Grauammern handelt, ist unklar. Der Anteil an Biodiversitätsförderflächen liegt seit Jahrzehnten auf einem hohen Niveau, mit rund 17 % weit über dem Schweizer Durchschnitt von 3 %. Zudem gibt es grossflächige Brachen, die zehn Jahre und älter sind. Die schlechte Wetterlage (kalt, Regen) während mind. zwei Wochen in der ersten Maihälfte könnte ein Indiz sein, der Insektenschwund ein anderes. Umgekehrt zeichnet sich bei einem anderen Insektenfresser, der Dorngrasmücke, ein weit überdurchschnittliches Brutjahr ab, mit einer bisher im Kanton Schaffhausen nicht erreichten Dichte.

Vorkommen der Grauammer in der Schweiz 2013-2016 (Quelle: Schweizer Brutvogelatlas, Schweizerische Vogelwarte Sempach)
Grauammer, Neunkirch | Foto: Stephan Trösch

HEINE, G., H. JACOBY, H. LEUZINGER & H. STARK (1999): Die Vögel des Bodenseegebietes. Orn. Jh. Bad.-Württ. 14/15, Avifauna Bodensee III

JENNY, M. (2018): Monitoring Brutvogel- und Feldhasenbestände im Klettgau – Erfassungsjahre 2016 und 2017. Schweizerische Vogelwarte, Sempach.

KNAUS, P., S. ANTONIAZZA, S. WECHSLER, J. GUÉLAT, M. KÉRY, N. STREBEL & T. SATTLER (2018): Schweizer Brutvogelatlas 2013-2016. Verbreitung und Bestandsentwicklung der Vögel in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein. Schweizerische Vogelwarte, Sempach, S. 548.

SCHUSTER, S., V. BLUM, H. JACOBY, G. KNÖTZSCH, H. LEUZINGER, M. SCHNEIDER, E. SEITZ UND P. WILLI (1983): Die Vögel des Bodenseegebiets, Avifauna Bodensee (II), Deutscher Bund für Vogelschutz, Landesverband Baden-Württemberg. Ornithologische Arbeitsgemeinschaft Bodensee (Hrsg.).

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